Auf der Suche nach den Schätzen eines Studiums

Auf der Suche nach den Schätzen eines Studiums

Borussia Dortmund als Glaubensrichtung, Smartphones im Botanischen Garten, ein Gefangenenlager auf dem Campus – und mittendrin: über 500 teils erstaunte, teils begeisterte, auf jeden Fall aber neugierige Schülerinnen und Schüler. Der „Girls‘ Day“ und der parallel stattfindende „Boys‘ Day“ haben dem potentiellen Hochschulnachwuchs aus den Klassenstufen acht bis zehn einen kleinen Vorgeschmack auf das geliefert, was ein Studium an der Ruhr-Universität zu bieten hat. Besonders im Fokus standen dabei ganz bewusst die Fachrichtungen, die für gewöhnlich nicht zu den klassischen Männer- oder Frauenberufen führen.

Ministerin zu Gast

Eine gute Portion Stolz klang bei der Begrüßung im Audimax durch Prof. Dr. Uta Wilkens mit. Zur zehnten Auflage des Girls‘ Day lud die Prorektorin für Lehre, Weiterbildung und Medien die jungen Gäste ein, sich frei von Klischees auf etwas ungewohntes, etwas unkonventionelles einzulassen.
Anlässlich des runden Geburtstags kam auch Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen an die RUB. „Findet raus, wofür euer Herz schlägt, wo ihr Spaß dran habt!“, so der Appell der Grünen-Politikerin. Zwar gebe es heute schon – auch durch Aktionen wie den Girls‘ Day und den Boys‘ Day – etwas mehr Offenheit bei der
Berufswahl. Trotzdem gingen immer noch zu viele junge Menschen den klassischen Rollenbildern auf den Leim.

Auf Schatzsuche

Im Anschluss an die Begrüßung verteilten sich die Schülerinnen und Schüler auf 36 Workshops. Eine Gruppe Girls zog es direkt aus dem Audimax in die Natur, genauer gesagt: in den Botanischen Garten. Dort ging es mit Daniel Telaar von den Geographen auf Schatzsuche, Teil eins. Das erste Rätsel dieses Geocaching-Workshops haben Paulina Hellwig und Johanna Teich von der Matthias-Claudius-Gesamtschule schnell gelöst: Mit Hilfe einer Schablone entdeckten sie auf der Tafel mit der Besucherordnung des Botanischen Gartens die Folgekoordinaten für den nächsten Hinweis auf dem Weg zum Schatz. Nach fünf Stationen und fünf Rätseln wurden die mit Smartphones und GPS-Geräten ausgestatteten Nachwuchs-Geographen fündig – und durften ihre kleine „Schatzkiste“, eine Schachtel mit Süßigkeiten, mit nach Hause nehmen.

Flucht von der Gefangeneninsel

Der Schatzsuche zweiter Teil: In der Halle der Campus-Sportanlage (CASPO) ist eine Gruppe mutiger Mädels in See gestochen. Dr. Mechthild Schütte und Masterstudentin Claudia Sieweke von der Fakultät für Sportwissenschaft vermitteln den jungen Gästen spielerisch verschiedene Inhalte des Sport-Studiums. „Wir haben über Bewegungsspiele gemeinsam teambildende Maßnahmen erarbeitet“, erklärt Schütte. So finden sich die Sportstudentinnen auf Probe plötzlich auf einer Gefängnisinsel wieder. Von dort aus müssen sie über ein Förderband, das sie selbst darstellen, zu einem Boot (Turnmatte) gelangen. „Ich kann mir gut vorstellen, Sport zu studieren“, sagt Marina Ruppert vom Pestalozzi-Gymnasium Herne, bevor die Gruppe als Kollektiv durch weitere Bewegungsabfolgen die „Schatzinsel“ erreicht.

Menschlicher Blitzableiter

Ohne Schatz, aber nicht minder spannend ging es bei den Physikern zur Sache. Prof. Dr. Andreas Wieck sorgte im Labor und im Hörsaal gleichermaßen für Hochspannung. Besonders viel Mut zeigte Cornell Hansmann vom Bochumer Theodor-Körner-Gymnasium. Sie leitete einen Blitz durch ihren Körper in die Erde ab. „Ich habe überhaupt nichts gemerkt. Das hat Spaß gemacht und war auch alles sehr interessant.“ Aber Physik studieren? „Mal schauen“, sagt sie, denn: „Die Formeln sind schon abschreckend.“

Von Fan zu Fan

Auf eine spannende Entdeckungsreise von Fan zu Fan lud Prof. Dr. Matthias Sellmann die Jungen in die Katholisch-Theologische Fakultät ein. Sellmann, bekennender BVB-Fan, Fußballer und Theologe, führte den Schülern die Parallelen von Fußball und Religion vor Augen. Der Doppelpass zwischen diesen zwei Welten, die offenbar gar nicht so weit auseinander liegen, manifestiert sich schon in der Sprache: „heiliger Rasen“, die Fans „pilgern“ und tragen „Vereinskutten“. Heinrich Kister ist einer der Schüler von der Pestalozzi-Realschule Wattenscheid ist Messdiener, interessiert sich für Religionswissenschaften im Allgemeinen und für die Aspekte des Fußballs im Besonderen. Er klebt an den Lippen von Professor Sellmann, der seinen Vortrag lebt und voll in seinem Element ist. Und was ist sein liebstes Gleichnis? „Das Hochhalten des Pokals“, sagt er und zeigt ein Bild von Stefan Effenberg mit dem DFB-Pokal.

So spannend kann studieren sein

„Wer alle Aspekte des Fußballs verstanden hat, hat auch das Leben verstanden“, heißt es sehr tiefgründig auf einer der Power-Point-Seiten, die Sellmann an die Wand wirft. Soweit wollte nach der kurzen Einführung keiner gehen. Aber die Schülerinnen und Schüler des Girls‘ Day und des Boys‘ Day haben zumindest verstanden, wie spannend, wie begeisternd ein Studium sein kann – auch in den nicht so populären Fächern.

Text: Daniel Duhr
Fotos: Marion Nelle


Seit zehn Jahren gibt es den Girls' Day an der RUB



Geocaching im Botanischen Garten



So funktioniert ein menschliches Förderband



Cornell Hansmann als lebender Blitzableiter